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"Jetzt können wir etwas zurückgeben und selbst Menschen willkommen heißen"

Menschen mit Fluchterfahrung heißen Gäste des Deutschen Evangelischen Kirchentages willkommen

Berlin, 23.05.2017: Anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentages vom 24. bis 28. Mai 2017 öffnen Menschen mit Fluchterfahrung ihre Wohnungen und beherbergen Gäste aus ganz Deutschland. Damit setzen sie ein Zeichen für eine gegenseitige Willkommenskultur und einen gemeinsamen Wert aller Kulturen und Religionen: Gastfreundschaft. Dies begrüßen die SozDia Stiftung Berlin - Gemeinsam Leben Gestalten und der Kirchenkreis Lichtenberg Oberspree sehr, haben sie doch gerade gemeinsam ein Integrationsprojekt ins Leben gerufen.

Es ist Zeit, das althergebrachte Konstrukt der Willkommenskultur zu überdenken und es nicht mehr an die scheinbar feststehende Rollenverteilung zu knüpfen, in welcher Menschen mit Fluchterfahrung in der Position der Gäste verharren. Vier Syrer, die seit zwei Jahren in Berlin ein neues Zuhause gefunden haben, stellen diese Willkommenskultur auf den Kopf und ermöglichen damit ein Aufeinandertreffen auf Augenhöhe. Die jungen Männer richteten ihre Wohnung her, stellten neue Betten auf und laden nun Gäste des Deutschen Evangelischen Kirchentages dazu ein, in ihren Wohnung zu übernachten, gemeinsam zu essen, Zeit zu verbringen und sich zu unterhalten ? über Gott und die Welt: Willkommenskultur einmal andersherum.

Noch vor zwei Jahren waren die Gastgeber selbst neu in dieser Stadt. Nachbar*innen, Ehrenamtliche und neue Freund*innen lernten mit ihnen die fremde Sprache und unterstützen sie dabei, sich nicht nur als ein Teil der Gesellschaft zu fühlen, sondern tatsächlich ein solcher zu sein. Dem 25-jährigen Adib Alhabib ist es daher ein Anliegen, den Besucher*innen nun sein Berlin vorzustellen: "Wir sind jetzt schon lange Zeit in Berlin und haben viele schöne Plätze hier kennen gelernt. Ich möchte mit unseren Gästen spazieren gehen und ihnen diese Orte zeigen. Berlin ist eine schöne Stadt ? durch Gäste wird sie noch schöner."

Auf den Austausch mit ihren Gästen freuen sich die jungen Männer besonders. "Wir erfahren durch den Kirchentag und unsere Gäste etwas über das Christentum", erklärt Yasin Algbawi gespannt, "In meiner Religion ist es selbstverständlich, Gäste zu empfangen, welchen Glauben sie auch haben." Mit Aufgeschlossenheit und großem Interesse an der jeweils anderen Religion lernen Gäste und Gastgeber voneinander, räumen Vorurteile aus dem Weg und zeigen damit ihre gegenseitige Wertschätzung. "Unsere Türen sind offen für Gäste. Mir liegt Frieden und Freundschaft am Herzen", betont Anas Albouch. Ein Satz, den Christen und Muslime, Deutsche und Syrer, Jung und Alt besonders zum Kirchentag gleichermaßen verbindet.

Integration leben - dies ist auch die Intention eines neuen Projektes, welches die SozDia Stiftung Berlin - Gemeinsam Leben Gestalten und der Kirchenkreis Lichtenberg Oberspree gemeinschaftlich ins Leben gerufen haben. Das gemeinsame Ziel ist es, Menschen mit Fluchterfahrung in Strukturen einzubinden, in denen sie ihren Platz in der Gesellschaft als Nachbar*innen, Kolleg*innen und Ehrenamtliche einnehmen können. Das Kooperationsprojekt schafft Begegnungsorte für Kirchengemeinden und Geflüchtete in und außerhalb von Gemeinschaftsunterkünften, initiiert und begleitet ein gesellschaftliches Miteinander zwischen Geflüchteten, Gemeinden und weiteren christlichen Akteuren und fördert Netzwerkarbeit mit der Zivilgesellschaft. Die Handlungsfelder sind weitgreifend: Neben gemeinsamen Freizeitaktivitäten, stärkerer Integration geflüchteter Familien und intensiverer Zusammenarbeit der Kirchengemeinden untereinander, besteht ein Fokus darin, Beschäftigungsmöglichkeiten für Geflüchtete zu generieren.